Der Seehecht ist ein ausgesprochen aktiver Jäger, der sich in seinem Verhalten deutlich von klassischen Grundfischen unterscheidet. Obwohl er sich in großen Tiefen aufhält, steht er nur selten direkt am Boden. Viel häufiger patrouilliert er einige Meter darüber oder sogar im Mittelwasser entlang steiler Kanten und tiefer Rinnen. Er folgt dabei vor allem den Schwärmen kleiner Futterfische, die im Rovdefjord reichlich vorhanden sind. Genau dieses Verhalten erklärt, warum der Seehecht in Norwegen vergleichsweise selten als Zufallsfang in der Fischkiste landet. Wer stur am Grund fischt oder ausschließlich pilkt, verpasst ihn meist.
Der Rovdefjord bietet für diese Art nahezu ideale Bedingungen. Die Kombination aus tiefem Wasser, markanten Unterwasserstrukturen und strömungsreichen Bereichen sorgt dafür, dass sich Seehechte hier regelmäßig einstellen. Besonders das Mündungsgebiet des Syvdefjords sowie die Gewässer westlich von Yksnøya haben sich über Jahre als verlässliche Fanggebiete erwiesen. Immer wieder kehren unsere Gäste mit mehreren guten Fischen zurück, teilweise auch mit wirklich kapitalen Exemplaren. Für Westnorwegen gehört der Rovdefjord damit ganz klar zu den besseren Adressen, wenn es gezielt auf Seehecht gehen soll.
Entscheidend für den Erfolg ist neben dem Platz vor allem das Timing. Am fängigsten ist meist das Zeitfenster etwa zwei Stunden vor Hochwasser bis maximal zwei Stunden danach. In dieser Phase kommt Bewegung ins Wasser, und die Seehechte stehen deutlich aktiver. Gefischt wird vom Boot aus in Tiefen zwischen etwa 80 und 200 Metern, wobei die exakte Tiefe stark von Strömung, Drift und Tagesform abhängt. Wichtig ist weniger die Zahl auf dem Echolot als vielmehr die Köderführung. Die Montage wird zunächst sauber aufgrund abgelassen und anschließend langsam nach oben geführt. Oft kommen die Bisse genau in dem Moment, in dem der Köder einige Meter über dem Boden schwebt oder gleichmäßig aufsteigt.
Gefischt wird fast ausschließlich mit stabilen Naturködermontagen. Ganze oder halbe Köhler, Makrelen oder Heringe sind dabei erste Wahl. Zusätzliche Leuchtelemente wie Oktopus-Skirts oder Knicklichter haben sich im Rovdefjord klar bewährt und sorgen gerade in größerer Tiefe für einen zusätzlichen Reiz. Die Führung sollte ruhig und kontrolliert erfolgen. Hektische Bewegungen sind nicht nötig, dezente Pilkimpulse reichen vollkommen aus. Weniger Aktion bringt hier oft deutlich mehr Erfolg.
Der Biss des Seehechts ist meist hart und eindeutig. Da die Fische häufig in lockeren Schwärmen unterwegs sind, lohnt es sich, bei einem Anbiss sofort die weiteren Ruten auf dieselbe Tiefe zu bringen. Nicht selten folgen innerhalb kurzer Zeit weitere Fische. Im Drill zeigt der Seehecht dann seine ganze Kraft, besonders wenn er aus mittleren Tiefen gedrillt wird.
Auch in der Küche ist der Seehecht ein echtes Highlight. Sein Fleisch ist hell, fest und nahezu grätenfrei und zählt zu den besten, was die nordatlantischen Gewässer zu bieten haben. Ob klassisch gebraten, sanft gedünstet oder als Filet mit leichter Sauce – Seehecht ist vielseitig, edel und auch bei Nicht-Anglern sehr beliebt. In vielen südeuropäischen Ländern gilt er als hochwertiger Speisefisch mit entsprechendem Preisniveau.
Die beste Fangzeit liegt im Rovdefjord im Spätsommer und Herbst, doch auch im Frühjahr werden regelmäßig sehr gute Fische gefangen, teils von Sandsøya bis in Richtung Volda. Das unterstreicht, wie konstant dieses Revier ist. Der bisherige Rekord bei Rovde Fjordferien liegt bei 136 Zentimetern – und die Erfahrung zeigt, dass hier noch deutlich größere Fische unterwegs sein können.

